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Fundatio fördert den Dokumentarfilm "Rückkehr ins Paradies"

01_Film.jpg Bereits 2 Jahre nach der Gründung kann die Fundatio Nisibinensis ihre erste Projekt-Förderung verkünden. Der Vorstand der Fundatio Nisibinensis ist sehr glücklich darüber dadurch dem Stiftung- Ziel „wissenschaftliche Studien zu fördern“ einem Schritt näher zu kommen und ein so interessantes Projekt u.a. finanziell zu unterstützen. Bei dem Projekt "Rückkehr ins Paradies" handelt sich um einen Dokumentarfilm, der sich mit der Rückkehr in die Heimat und den damit verbundenen Herausforderungen und Konflikten auseinandersetzt.

Hintergründe

Berlin, Amsterdam, Stockholm, Paris, Zürich… überall in Europa finden wir Menschen, die sich nach einer Rückkehr in die karge Steppe des vorderen Orients sehnen. Der Tur Abdin war Jahrtausende lang die Heimat einer christlichen Minderheit: Die Aramäer. Im 20. Jahrhundert wurden sie durch Gewaltausbrüche die teilweise Formen einer ethnischen Säuberung annahmen fast vollständig vertrieben. Sie verstreuten sich auf die ganze Welt und hinterließen ein uraltes Kulturerbe aus Kirchen und Klöstern.

Jetzt, wo sich die Lage entspannt hat wird die Sehnsucht nach der Heimat immer stärker. In den Köpfen der Aramäer vermischen sich alte Zweifel mit neuer Hoffnung. Die Heimat wurde in bis zu fünfzig Jahren Abwesenheit zu einem Paradies romantisiert. Doch in den Städten Europas haben sich die meisten Aramäer aber ein komfortables Leben aufgebaut, während die verlassenen Häuser und Kirchen im Tur Abdin zu Ruinen verfallen und von Unkraut überwuchert sind.

Werden die Aramäer zurückkehren, die Dörfer wiederaufgebaut und die Klöster neu belebt, oder ist dies alles eine Utopie?

Unsere Geschichten spielen meist in Harbtho („Das kaputte Dorf“) wo früher bis zu 1000 Menschen lebten.

Mekko Yanik (63) ist ein enthusiastischer Draufgänger. Er kehrte 2003 gegen jede Vernunft als Erster nach Harbtho zurück, um das Haus seiner Eltern und die Kirche seines Dorfes in mühseliger Arbeit zu restaurieren. Nura Aslan (67) sieht ihre Heimat zum ersten Mal seit dreißig Jahren wieder. Sie ist eine sehr sensible und fromme Frau. Welche Gefühle wecken die zerfallen Häuser und das verlassene Dorf in ihr?

Der Mönch Asiz (40) hat Tur Abdin trotz der Übergriffe auf ihn und sein Volk niemals verlassen. Er lebt im Kloster Mor Melke, sah wie die Menschen nach und nach Tur Abdin verließen und wie sie nun zurückkehren. Er erzählt gern aus seinem Leben und unterrichtet im Kloster Kinder in der Syrisch Orthodoxen Religion. Diese hat ihre Wurzeln in einer der ersten christlichen Gemeinden der Welt, die von den Aposteln in Antiochien gegründet wurde.

Drehorte

Tur Abdin, der „Berg der Knechte Gottes“ ist ein gebirgiger Landstrich von der Größe Nordrhein-Westfalens. Die Erde ist rot. Das Dorf Harbtho besteht nur aus Ruinen und dem restaurierten Haus von Mekko Yanik.

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Im Dorf Kafro finden wir die neuen Villen direkt neben den alten verfallenen Häusern der Vergangenheit.

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Einige Klöster sind über zweitausend Jahre alt. Vor der Christianisierung waren es Tempel heidnischer Gotter.

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In Damaskus in Syrien befindet sich der Sitz des 122. Patriarchen der Syrisch Orthodoxen Kirche von Antiochien, zu der ca. 5 Millionen Gläubige auf der ganzen Welt gehören. Das Kloster dort strahlt durch seine moderne Architektur. Eine moderne Kirche wurde in Anlehnung an die klassische Bauweise der Kirchen des Tur Abdin errichtet.

Persönliche Motivation, Daniel Yanik

Ich bin in Deutschland geboren aber meine Muttersprache ist Aramäisch. Obwohl Deutschland mein Heimatland ist, war ich stets mit der Aramäischen Kultur und unserer Herkunft konfrontiert. Von meinen Eltern und Großeltern erfuhr ich, wie sie in ihrer Heimat lebten, wo sich unser Ursprung befindet und was das für sie bedeutet. Andererseits wuchs ich wie ein Europäer auf. Mein Elternhaus steht in einem spießigen, verklinkerten Wohnviertel in einer mittelgroßen deutschen Stadt. Ich ging zur Schule, absolvierte das Abitur, studiere jetzt und genieße das hiesige kulturelle Leben. Man kann sagen, ich lebe mit beiden Kulturen, aber auch dazwischen. Da liegt auch der Kern meiner Motivation: Etwas fehlt. Ich bin kein hundertprozentiger Aramäer, aber auch kein richtiger Deutscher. Als meine Eltern in dieses Land kamen, haben sie etwas mitgebracht, das sie schon von ihren Eltern erhielten. Es lässt sich vergleichen mit Angst, es ähnelt einem Minderwertigkeitskomplex. Woher rührt das? Man darf nicht vergessen, dass ihre Großeltern nach dem ersten Weltkrieg in ständiger Armut und Hungersnot lebten. Viele wurden ermordet, verjagt und zwangsislamisiert. (Infolgedessen konnten sie auch keine Aramäer sein.) Die Menschen lebten also in ständiger Verfolgung und wurden gedemütigt, da sie ihre Heimat, in der ihre Vorfahren über Jahrtausende gelebt hatten, verlassen mussten. Wie äußert sich dieser Komplex heute? Aramäer sind grundsätzlich vorsichtige, sehr konservative Menschen. Sie sind aber auch sehr fleißig und strengen sich an, ein besseres Leben zu führen. Aber sie leben in der Fremde. Sie müssen sich arrangieren mit einer fremden Kultur, was nicht immer leicht ist, aber auch nicht unmöglich. Jetzt, da das Thema der Rückkehr aufgetaucht ist, bietet es sich an, die Geschichte, die wir überliefert bekamen, zu verarbeiten. Ähnlich wie die Deutschen die Geschehnisse des zweiten Weltkriegs verarbeiten mussten und immer noch müssen, fühle ich, dass es gilt unsere Geschichte, allerdings auf Seiten der Verfolgten, zu verarbeiten. Denn ein neues Gefühl im Laufe unserer Geschichte bietet sich jetzt an: Hoffnung. Der Glaube daran, die Heimat doch nicht vollständig verlieren zu müssen stärkt unser Selbstwertgefühl. Jeder braucht eine Heimat, es ist eine Art Fundament. Doch ist diese Heimat es wert, eine komfortable gesicherte Existenz aufzugeben?

Mein Studiengang beschäftigt sich mit Dingen, die man sich im Tur Abdin wahrscheinlich kaum vorstellen kann. Die neuen Mittel, die ich hier lerne, möchte ich nutzen um eine alte, verlassene Gegend zu erkunden, in der jetzt neue Hoffnung und Mut aufkeimt.

Persönliche Motivation, Simon Schulz

Als Daniel mir sein Vorhaben schilderte und mich fragte ob ich mitmachen möchte, habe ich nur sehr kurz gezögert. Nicht nur weil Tur Abdin so großartige Bilder bietet, sondern auch weil mich das Thema sehr interessiert. Durch Daniel, den ich schon lange kenne, habe ich die Aramäer und die Syrisch Orthodoxe Religion schon ein wenig kennen gelernt. Als Deutscher sehe ich meine Aufgabe aber in erster Linie darin, darauf zu achten, dass der Film auch Nichtaramäern zugänglich bleibt.

Als Kameramann freue ich mich schon sehr darauf, die Motive in Tur Abdin in Szene zu setzten. Die Schönheit und Exotik des Landes und der Jahrtausende alten Kultur, möchte ich in wohlüberlegte Bildkompositionen fassen. Besonders reizen mich die Kontraste zwischen Verfallenem und Neuem, die eingefangen werden müssen, um die Aussage des Films zu tragen.

Produktionsablauf

Für den Dokumentarfilm ist Geduld sehr wichtig, denn man braucht Zeit um die richtigen Momente einzufangen. Thomas Schadt beschreibt dies in seinem Buch „Das Gefühl des Augenblicks“ auf diese Weise: Bei vielen Dokumentarfilmen habe ich das Gefühl, der Dokumentarist gibt zu schnell auf im Kampf um die Realität, bei der Suche nach dem authentisch zu erfassenden Moment. Man könnte manchmal glauben von vornherein fehle es dem Suchenden an Geduld und dem ehrlichen Glauben an die Kraft des Realen. Um wirklich authentisch nachvollziehen zu können, wie die Menschen im Tur Abdin fühlen, möchten wir uns für mindestens einen Monat dort aufhalten. Die Produktion beginnt in Damaskus, dem Sitz des Patriarchen. Dort werden wir ihn interviewen. Daraufhin reisen wir in den Tur Abdin, halten uns eine Zeit lang in Harbtho auf um anschließend mehrere Klöster und Ortschaften zu besuchen, allen voran das Dorf Kafro und das Kloster Mor Melke, wo der Mönch Asiz lebt.

Die Postproduktion findet nach unserer Rückkehr in unserem Schnittlabor an der Fachhochschule in Lemgo statt.


 
mmc-XMG - 1.17/2006-02-28 - U-DEV 4 (Excelsior)
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